Lina 

Diagnose: Provozierte Vestibulodynie

Dieses Interview wurde im Oktober 2024 geführt.

"Ich habe sehr lange damit verbracht, mich mit dem Thema Sexualität auseinanderzusetzen und es als Teil von mir anzunehmen."

WELCHE DIAGNOSE HAST DU?

Offiziell provozierte Vestibulodynie.

 

WIE LANGE HAT ES GEDAUERT, BIS DU DIAGNOSTIZIERT WURDEST?

Etwa sieben bis acht Jahre.

WELCHE SYMPTOME HATTEST DU VOR DER DIAGNOSE?

Ich hatte ganz klassische Schmerzen bei penetrativem oder aufnehmendem Sex, und das war auch mein größter Leidensfaktor. Aber ich hatte auch unabhängig vom Sex Schmerzen, oft das Gefühl einer Blasenentzündung, durch ein brennendes, stechendes Brennen.

Allerdings auch in anderen Situationen, manchmal so, dass ich gar nicht wusste, woher es kam. Ich habe sehr oft Antibiotika genommen und glaube im Nachhinein, dass ich nur einmal eine tatsächliche Blasenentzündung hatte, alles andere war die Vulvodynie.

Beim Radfahren, bei zu enger Kleidung oder nach dem Schwimmen in chlorhaltigem Wasser hatte ich brennende Schmerzen, manchmal Juckreiz, aber eher Schmerzen.

WELCHE STRATEGIEN ODER METHODEN HABEN DIR GEHOLFEN?

In Köln habe ich eine Praxis gefunden, die sich auf Beckenbodenphysiotherapie spezialisiert hat, und das hat mir wirklich geholfen. Es war ein großer Unterschied, wie ich mit meinem Körper umgehe. Durch die Schmerzen hatte ich mich immer mehr von meinem Körper entfremdet. Es war einfach zu schlimm, um überhaupt in den Körper hineinzuspüren.

Ein Ansatz, der mir viel geholfen hat, ist das Konzept der Sexokorporel-Therapie, bei dem es darum geht, mit dem Körper zu arbeiten und immer wieder in verschiedene Körperteile hineinzuspüren. Das hilft nicht nur körperlich, sondern öffnet auch den Zugang zu Emotionen und Gedanken, da der Körper als Türöffner zu tieferem Verständnis genutzt wird.

Ich habe auch Körpertherapie gemacht, weil ich gemerkt habe, dass mein Kopf oft sehr schnell arbeitet. Ich verstehe Dinge blitzschnell und antworte oft aus dem Kopf heraus. Aber wenn ich mir die Zeit nehme, innezuhalten und zu fragen, was mein Körper dazu sagt, bekomme ich oft eine andere Antwort.

Ich habe jahrelang schmerzhaften Sex ertragen und oft dabei geweint, ohne es vor meinem Partner zu zeigen. Nach so vielen Jahren des Aushaltens entfernt man sich unweigerlich vom eigenen Körper. Besonders die untere Körperhälfte, einschließlich meines Beckenbodens, war für mich ein Bereich, den ich meiden wollte. Diese Therapieansätze haben mir geholfen, wieder Zugang zu diesem Körperteil zu finden und ihn neu zu spüren. (……….)

Lies das ganze Interview hier: